miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

Manuel Ostermann / Markus Hibbeler Fremde Federn: Das entscheidende Fünkchen

Im Mai 2025 fiel mir auf, dass der Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann in seinen Beiträgen auf X häufig über linken bzw. islamistischen Antisemitismus schrieb, während rechtsextremer Antisemitismus kaum eine Rolle spielte [vgl. Auswertung seiner X-Postings]. Im Rahmen dieser Recherche stieß ich auf ein Posting vom 12. Oktober 2023, das eine problematische Relativierung enthielt. Ostermann zitierte darin einen Text, der mit „M. Hibbeler“ unterzeichnet war.

Screenshot eines X-Postings, Transkription folgt unten

Manuel Ostermann zitiert Markus Hibbeler

Transkription des X-Postings

80 Jahre nach den Verbrechen des Dritten Reiches wird wieder Judenhass in Deutschland offen herausgebrüllt, und tote Juden werden abgefeiert. Das unterscheidet Islamisten und arabische Hamas-Sympathisanten übrigens von den meisten deutschen Antisemiten: während dem deutschen Nazi/Antisemiten zumindest noch ein Fünkchen bewusst ist, dass sein Verhalten von der Mehrheitsgesellschaft geächtet wird, ist dies Islamisten völlig egal. Im Gegenteil: sie spucken mit ihrem Verhalten unserer Zivilgesellschaft offen ins Gesicht. Ihr Verhalten kommt ähnlich wie bei der Kölner Silvesternacht, als unzählige Frauen vergewaltigt wurden, einer barbarischen Machtdemonstration gleich. Sie wissen genau, dass Judenhass bzw. Hass auf den Westen allgemein in ihrer Gesellschaft nicht die Ausnahme, sondern mehrheitsfähig ist, und viel schlimmer: sie wissen, dass sie es können und ihnen hier in aller Regel eh nichts passiert.

Der Kampf gegen Rechtsextremismus und das #Niewieder ist längst zu einer gratismutigen Floskel verkommen, da Islamisten und Graue Wölfe (türkische Nazis) hier quasi Narrenfreiheit genießen und teils sogar noch staatlich hofiert werden (Stichwort Zusammenarbeit mit den Islamverbänden). Leute, die die Probleme beim Namen nennen, landen in unserem Land schneller in der rechten Ecke als Islamisten, die Morde an Israelis feiern, im Abschiebeknast. Das ist eins der Kernprobleme unserer Demokratie, die auch dadurch leider immer mehr zu zerbröckeln droht...“

M. Hibbeler


[Hier Ostermanns Ergänzung in späteren Versionen]

[... Morde an Israelis feiern,] in der Abschiebehaft.

Aber ich möchte den jüdischen Menschen auch Hoffnung geben.

Sie sind nicht alleine und die überwältigende Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen stellen sich entschieden gegen Antisemiten.

Auch auf die Sicherheitsbehörden können sie sich verlassen.

Was die Politik noch lernen muss, ist – Extremismus, und damit auch Antisemiten, bekämpft man allumfassend oder am Ende gar nicht.

Manuel Ostermann ließ in seiner ersten Version, wo er „M. Hibbeler“ als Autor nannte, den ersten Absatz des Originals weg und übernahm den restlichen Text praktisch unverändert. In spätere Versionen griff er stärker ein. Dort strich er außerdem den Schluss und fügte einen eigenen Absatz hinzu [vgl. Transkription]. Eine Kennzeichnung dieser Eingriffe erfolgte nirgends, und in späteren Versionen unterblieb auch die Nennung des ursprünglichen Verfassers. Der Ausgangstext von Markus Hibbeler wurde am 9. Oktober 2023 auf Facebook veröffentlicht, kurz nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober.

Screenshot eines Facebook-Postings mit fast identischem Text.

Originaltext von Markus Hibbeler; nicht mehr online abrufbar

Die Übernahme der Textteile per Copy & Paste führte vermutlich dazu, dass zwei Rechtschreibfehler des Originals in allen Versionen Ostermanns auftauchen (jeweils falsche Kleinschreibung nach Doppelpunkt). Diese Fehler und die nicht gekennzeichnete Textübernahme finden sich auch in einem Beitrag für die Israelitische Kultusgemeinde München, für die Ostermann als alleiniger Autor genannt wird.

Problematische Formulierung

Der oben in Ostermanns Posting markierte Satz ist problematisch. Er legt eine Hierarchie von Antisemitismus nahe: Islamistische Judenhasser werden als besonders schlimm dargestellt, während deutsche Antisemiten zumindest noch ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Ächtung ihres Verhaltens besäßen. Die Tatsache, dass Antisemiten gesellschaftliche Ächtung erfahren, macht ihr Verhalten allerdings nicht weniger verwerflich; entscheidend ist nicht das Bewusstsein um die Ächtung, sondern die Fortsetzung des antisemitischen Handelns.

Obwohl Ostermann den übernommenen Text an mehreren Stellen veränderte, ließ er diese Unterscheidung unangetastet.

Veröffentlichung der übernommenen Textteile

Gut zwei Jahre später, am 27. November 2025, präsentierte Ostermann denselben Text auf LinkedIn und auf der Plattform X und leitete ihn folgendermaßen ein:

Es war mir eine Ehre und gleichzeitig absolute innere Überzeugung einen Gastbeitrag für den Jahresbericht der @ikg_muenchen zu schreiben.
Danke für eure Arbeit!
Gemeinsam sind wir stark.

Manuel Ostermann, LinkedIn, 27.11.2025

Dort nannte er den ursprünglichen Autor nicht. Angehängt war ein Screenshot des Gastbeitrags, den Ostermann für den Jahresbericht der Israelitischen Kultusgemeinde München verfasst hatte.

Der vierspaltige Beitrag enthielt in der rechten Spalte erneut ohne Kennzeichnung den fremden Text mit Ostermanns Ergänzungen. In der Publikation erscheint Ostermann jedoch als alleiniger Autor des gesamten Beitrags.

Screenshot des Gastbeitrags im Jahresbericht der Israelitischen Kultusgemeinde München

Manuel Ostermann, „Antisemitismus ist Tagesordnung in Deutschland“

Einseitige Betonung

Am Anfang des Gastbeitrags widmet Ostermann sieben Zeilen dem rechtsextremen Antisemitismus. Der restliche Text dreht sich um nicht-rechtsextreme Formen von Antisemitismus. Im letzten Teil folgt dann die oben dargestellte Unterscheidung zwischen verschiedenen „Arten“ von Antisemiten.

Ostermann spricht sich zwar grundsätzlich gegen Antisemitismus aus, betont aber linken und islamistischen Antisemitismus unverhältnismäßig stark. Rechtsextremen Antisemitismus bewertet er demgegenüber viel seltener als problematisch [vgl. Manuel Ostermann, Auswertung seiner Postings auf X ].

Siehe auch