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Vermischtes und Aufgemischtes

Manuel Ostermann Über Antisemitismus – fast nur links und islamistisch

Linker und islamistischer Antisemitismus sind real und problematisch. „From the river to the sea“ (vom Fluss Jordan bis zum Mittelmeer) ist eliminatorischer Antisemitismus – er setzt voraus, dass Israel verschwindet, und mit ihm die dort lebenden Juden.

Antisemitismus bekämpfen bedeutet: Alle Erscheinungsformen wahrnehmen und kritisieren.

Aufschlussreiche Zahlen

Manuel Ostermann ist laut X-Profil „Bundesvorsitzender DPolG BPOL•DPolG“. Er behauptet zwar, auf X privat zu schreiben, aber da er fast nur Polizeiarbeit thematisiert, scheint die Trennung nicht sehr scharf zu sein.

Er schreibt oft über Antisemitismus – aber nur selten über rechtsextremen Antisemitismus. Dies fiel mir im Mai 2025 erstmals auf. Ich wollte es genau wissen und zählte nach.

Eine Suche auf X nach Manuel Ostermanns Postings, in denen das Wort „Antisemiten“ vorkam, ergab damals:

49 Erwähnungen explizit in Zusammenhang mit links / Migration
18 Erwähnungen allgemein
1 Erwähnung links / rechts / Migration zusammen

Unter diesen Postings war eines, das eine recht unschöne Differenzierung zwischen verschiedenen Arten von Antisemitismus vornahm [vgl. Fremde Federn: Das entscheidende Fünkchen].

Ich bin kein Statistiker und habe einfach mit einer Strichliste abgezählt. Doppelte Erwähnungen habe ich bei allen betroffenen Kategorien verbucht. X zeigt nicht bei jeder Suche dieselben Ergebnisse, daher sind meine Zahlen nicht exakt reproduzierbar – aber die Tendenz ist eindeutig.

Im Mai 2026 habe ich die Überprüfung wiederholt, dieses Mal mit „Antisemiten“ und „Antisemitismus“ und Islam und links getrennt. In der Probe von 2026 sind einige Funde von 2025 enthalten. Das Ergebnis:

56 Erwähnungen Antisemitismus – Islam
46 Erwähnungen Antisemitismus – links
3 Erwähnungen Antisemitismus – rechts (zwei davon mit Islam/links)
29 Erwähnungen allgemein

Auch wenn dies keine wissenschaftlich fundierte Erhebung ist, zeigt sich eine deutliche Gewichtung. Rechtsextremer Antisemitismus ist annähernd im Verhältnis 1:18 bzw. 1:15 unterrepräsentiert. Dies entspricht nicht der Realität. Über politisch motivierte Straftaten sagt das Bundesinnenministerium für das Jahr 2024:

Mit 42.788 Delikten wurden gut die Hälfte aller PMK-Straftaten 2024 im Phänomenbereich PMK-rechts- registriert, was einem Anstieg von knapp 48 Prozent entspricht.

BMI: Neuer Höchststand politisch motivierter Kriminalität, 20.05.2025

Ostermann kennt und zitiert die PMK (Statistik zu politisch motivierter Kriminalität). Da er aktuelle Entwicklungen und Veränderungen der Tätergruppen beobachtet und kommentiert, müsste er den Anstieg auf der rechtsextremen Seite um 48 Prozent beunruhigend finden. Eine Suche nach „PMK“ ergab für 2024 zwei Funde mit völlig anderem Tenor und nichts zu der Veröffentlichung des BMI im Jahr 2025.

Rechtsextrem und linksextrem

Eine weitere Suche nach Warnungen vor Extremisten ohne den Begriff „Antisemitismus“ ergab:

36 gegen rechtsextrem
17 gegen rechtsextrem mit Verweis: auch links / Islamismus beachten
102 gegen linksextrem (hier öfter die Kombination linksextrem plus Islamismus)
0 gegen linksextrem mit Verweis: auch rechtsextrem beachten

Allgemein gegen Extremismus gerichtete Postings und solche, in denen er explizit Links- und Rechtsextremismus sowie Islamismus gleichzeitig nennt, habe ich nicht berücksichtigt.

Vier Postings sind meiner Ansicht nach erwähnenswert.

1. Ein Syrer

Ostermann reagiert auf eine Meldung der WELT (Syrer schmiert Hakenkreuz) mit dem Kommentar: „PKS - Rechtsextremismus ...“.

Die drei Pünktchen scheinen Skepsis zu signalisieren. Was Ostermann sich dabei dachte, kann ich nicht wissen. Ich weiß aber, was er an anderen Stellen tut: Linksextremistische und islamistische Taten nennt er unmissverständlich beim Namen und verzichtet auf Pünktchen.

Im Übrigen: Selbstverständlich gibt es auch rechtsextreme Syrer. In diesem konkreten Fall wissen wir es einfach nicht, denn der betreffende WELT-Artikel verrät nichts über die Motive des Täters.

Screenshot einer Meldung der WELT mit verschwommenem Foto eines Blaulichts.

Warum die Skepsis? Es gibt rechtsextreme Syrer.

2. Die Leugner

Ostermann bemängelt, es gebe Leugner des Linksextremismus und bezieht sich explizit auf die Jugendorganisationen der Grünen und der Linken. In allen Postings, die ich gesichtet habe, hat sich der Gewerkschafter kein einziges Mal über die Leugner des Rechtsextremismus geäußert, die es ebenfalls gibt.

Screenshot eines X-Postings, Transkription unten

Linke Extremismus-Leugner

Transkription X-Posting

Viele Akteure der #Linksjugend und der #GrünenJugend sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Nicht nur das[!] Linksextremismus geleugnet und salonfähig gemacht wird, es werden auch politische Überzeugungen von einem Deutschland geteilt, in dem dann niemand ernsthaft leben möchte.

3. Aktuelle Entwicklungen

Veränderungen der politischen Lage (vor allem die Zunahme von Vorfällen) in Bezug auf Islamismus und Linksextremismus nimmt Manuel Ostermann sehr genau wahr. Auf X gibt es ebenfalls eine Dynamik: Seit Elon Musk Twitter übernommen und umbenannt hat, sind rechtsextreme antisemitische Postings dort deutlich präsenter; auch offene Holocaustleugnung sieht man öfter als früher. 2021 kritisierte Ostermann linksextreme Kommentare auf X und nannte sie „widerlich“. Die spätere Verschiebung (verstärkt zu beobachtende rechtsextremistische Postings) thematisierte er laut meiner Auswertung nicht.

Screenshot X-Posting, Transkription unten

Widerliche Kommentare

Transkription X-Posting

Sieht man sich allein die Vielzahl an widerlichen Kommentaren auf Twitter an, dann braucht mir wirklich niemand mehr zu erzählen, wir hätten kein massives Problem mit #Linksextremismus.

4. Linksextreme, also Antisemiten

Ostermann schrieb am 14. Dezember 2023: „Linksextremisten sind nicht nur Verfassungsfeinde, sondern auch Antisemiten.“ Mit dieser pauschalen Behauptung startete er einen neuen Thread ohne Bezug zu irgendeinem erweiterten Kontext. Diese Aussage ist falsch, weil nicht alle Linksextremisten antisemitisch sind.

Screenshot eines X-Postings

Sind Linksextremisten immer Antisemiten?

Kernbegriffe

Eine abschließende Zählung der Kernbegriffe „Rechtsextremismus“ und „Linksextremismus“ ergab folgendes Bild:

74 gegen Linksextremismus, ausschließlich
53 gegen Rechtsextremismus, davon 16 mit dem Tenor: Linksextremismus (manchmal auch Islamismus) werde verharmlost, hofiert, nicht ernst genug genommen.

Rechtsextreme Dienstherren

In mehreren Bundesländern fallen zwei Dinge zusammen: Der jeweilige AfD-Landesverband gilt als gesichert rechtsextrem, und die Partei ist nicht weit von einer Regierungsbeteiligung oder gar von einer absoluten Mehrheit entfernt. Die Beamten wären dort gegebenenfalls einem rechtsextremen Dienstherrn gegenüber zum Gehorsam verpflichtet. Das müsste für einen Polizeigewerkschafter, der ganz allgemein gegen jede Art von Extremismus ist, eine höchst beunruhigende Vorstellung sein. Warum schlägt Ostermann nicht Alarm und stellt sich angesichts dieses Konflikts schützend vor seine Kollegen?

Ostermann hat die AfD mehrfach scharf kritisiert, aber in diesem Zusammenhang (laut meiner Suche) nicht explizit auf diese Gefahr hingewiesen, die in mehreren Bundesländern für seine Kollegen gegeben ist.

Chatgruppen

Einige rechtsextreme Polizei-Chatgruppen sind aufgeflogen, meines Wissens keine einzige linksextreme.

Die Suche nach „chat(s) – polizeichat(s) – chatgruppe(n)“ zeigt nur eine einzige Äußerung, und die ist relativierend: „Aber es zeigt sich auch hier, wir haben schlicht kein #Polizeiproblem.“

Screenshot eines X-Postings

Rechtsextreme Polizeichats: Kein Polizeiproblem

Wenn mehrere rechtsextreme Polizeichats und keine linksextremen auffliegen, muss es eine Dunkelziffer geben. Wie viele sind nicht aufgeflogen? Das ist keine unfaire Unterstellung. So zu denken, ist Polizeialltag. Ostermann benutzt das Wort „Dunkelziffer“ fast reflexartig in anderen Zusammenhängen — hier ignoriert er es.

Die allermeisten Polizeibeamten sind anständige Leute. Um die geht es hier nicht.

Es geht um die Schieflage eines Gewerkschafters. Fragwürdig ist hier, wie Ostermann mit den Unanständigen in seinen eigenen Reihen umgeht. Ostermann sieht kein Problem, wo eindeutig eins ist. Über das Ausmaß wäre noch zu verhandeln (wie groß ist das Dunkelfeld?), aber man muss davon ausgehen, dass es eins gibt, und dass Ostermann auf X dazu schweigt, haben meine Suchläufe ergeben [vgl. Studie: Antisemitismus in den eigenen Reihen kaum Thema bei Polizei].

Hinweis

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Dies ist keine akademische Medienanalyse und keine wissenschaftlich fundierte Studie, sondern das Protokoll einer aufmerksamen und besorgten Beobachtung. Wer die exakten Algorithmen von X kennt, weiß um die Varianz der Suchergebnisse. Die hier dokumentierte Schieflage ist aber ein bedenkliches Symptom. Als Bundesvorsitzender der DPolG müsste Ostermann den rechtsextremen Antisemitismus genauso deutlich benennen wie den linken und islamistischen.

Siehe auch