miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

AfD Antisemitische Brandbeschleuniger, ganz demokratisch

Vor einer Weile wurde erschreckend deutlich, was manche AfD-Anhänger so umtreibt. Der Name des Accounts klingt nach Brandbeschleuniger, ist hier aber anonymisiert. Es geht mir nicht um die konkrete und eher unwichtige Person, sondern um die Strukturen und Denkweisen.

Zunächst einmal zwei für sich genommen harmlose Stellungnahmen für die AfD.

Zwei Screenshots von X-Postings, Transkription  unten

„Nur noch AfD“

Transkription: zwei X-Postings

1: „Nur noch AfD“ [drei blaue Herzchen]

2. „Die AfD ist demokratischer als die anderen Parteien ...“

Die zweite Behauptung beschreibt das offizielle Selbstbild der AfD, hat aber mit der Realität dieses Anhängers bemerkenswert wenig zu tun. Anders ausgedrückt: Er kann Juden nicht leiden.

Drei X-Postings, Transkription unten

Antisemitische Ausfälle

Transkription: drei X-Postings

1. Wie gefährlich Juden sind, hat uns der Kommunismus und Israel gezeigt.

2. Holocaust mich am Arsch. Juden ficken im großen Stil unsere Kinder und fluten uns mit Neger und Kanaken.

3. Kinderfickende Juden regieren die ganze westliche Zivilisation. Was erwartest du?

Die zweite Bemerkung lehnt sich teiweise eng an etwas an, das Hitler in Mein Kampf schrieb:

Juden waren es und sind es, die den Neger an den Rhein bringen, immer mit dem gleichen Hintergedanken und klaren Ziele, durch die dadurch zwangsläufig eintretende Bastardierung die ihnen verhaßte weiße Rasse zu zerstören, von ihrer kulturellen und politischen Höhe zu stürzen und selber zu ihren Herren aufzusteigen.

Adolf Hitler, Mein Kampf, S. 357

Interessant wäre die Frage, ob der antisemitische Zündler von selbst darauf gekommen ist, oder ob er es gelesen hat.

Und natürlich stellt sich hier auch die Frage, wie der Teilnehmer diese drastischen Äußerungen mit den demokratischen und menschlichen Grundwerten vereinbart, welche die AfD angeblich vertritt. Ich ahne: er denkt nicht mal daran.

In weiteren Postings behauptete der Teilnehmer, der Massenmord sei nicht geschehen, aber die Juden hätten seiner Ansicht nach einen Holocaust verdient.

Vier antisemitische X-Postings, Transkription unten.

Holocaust verdient?

Transkription

1. Ihr [Juden] habt einen echten Holocaust verdient.

2. Ihr kinderfickenden Parasiten habt einen echten Holocaust verdient.

3. Es gab keinen Holocaust, aber es hätte ihn geben sollen. Verdammte „kikes“ [= antisemitisches Schimpfwort].

4. „Kikes“ verdienen einen echten Holocaust.

Man denkt hier unwillkürlich an den Möchtegern-Holocaust-Wiederholer Marcel Grauf.

Dieser Teilnehmer weiß, was er tut. Er schreibt das Schimpfwort „kikes“ konsequent falsch mit einem Akzent, der nicht dorthin gehört. So kann es in der Suche nicht gefunden und vom Algorithmus nicht erkannt werden (oder es wird erkannt, aber ignoriert, weil Musk).

Screenshot: Das antijüdische Schimpfwort, zur Verschleierung mit Akzent

Irreführender Akzent

Das Wort „Parasiten“, auf Juden gemünzt, ist ebenfalls direkt den Sprachregelungen des NS-Regimes entnommen. Juden galten dort als schädliche Blutsauger und wurden grausam folgerichtig mit dem Insektizid Zyklon B vernichtet.

Sie können ja nichts dafür

Prominente AfD-Politiker beteuern immer wieder, sie seien strikt gegen Antisemitismus, und auch dieser Teilnehmer meinte, die AfD sei eine demokratische Kraft, was wohl heißen soll, sie stehe auf dem Boden des Grundgesetzes. Wo dieser Teilnehmer steht, ist weder Grund noch Wert, sondern bodenloser Hass.

Natürlich kann man die AfD nicht für das haftbar machen, was irgendjemand auf X von sich gibt. Eines fällt aber auf: Ich habe unter solchen Postings trotz intensiver Suche keine Einwände von Teilnehmern gefunden, die sich als AfD-Anhänger zu erkennen gaben.

Und natürlich darf man auch fragen: Warum sind solche Leute (dies ist kein Einzelfall) der Ansicht, die AfD vertrete ihre Vorstellungen von Politik? Oder, noch anders gefragt, warum schreibt jemand wie dieser Teilnehmer mit schöner Regelmäßigkeit „Nur noch AfD!“ und lehnt alle anderen Parteien ab? Das ist nur möglich, wenn er Berührungspunkte sieht.

Es wäre für die AfD durchaus möglich, für solche Brandbeschleuniger so unattraktiv zu werden, dass sie sich von der AfD abwenden. Ein Aufruf an die Mitglieder, jederzeit aktiv gegen Antisemitismus und Holocaustleugnung einzutreten, könnte hilfreich sein. Die AfD kann nichts für Leute, die sie mögen, aber für den Eindruck, den sie hinterlässt, ist sie ebenso verantwortlich wie für ihren öffentlichen Umgang mit solchen faulen Kunden.

Die Praxis der AfD sieht eher so aus: Der AfD-Politiker Guntram Proß meinte, man könne Holocaustleugner ruhig reden lassen, die AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum hatte einen Möchtegern-Holocaust-Wiederholer als Mitarbeiter eingestellt, und Maximilian Krah darf die Partei trotz eines rassistischen Ausfalls im Bundestag vertreten.

Und was geschieht, wenn ein AfD-Anhänger darauf drängt, dass sich die AfD an ihre Unvereinbarkeitsliste hält und demokratische Grundwerte achtet? Tobias Teich (AfD) will nichts davon wissen und behandelt ihn von oben herab.

Die AfD redet demokratisch und bürgerlich-konservativ, macht aber keinerlei Anstalten, für antisemitische Brandbeschleuniger so unbequem zu werden, dass die sich gezwungen sehen, sich eine andere politische Heimat zu suchen.

Diese Doppelbödigkeit ist kein Versehen, sondern gewollt. Die AfD distanziert sich nicht nachhaltig von Extremisten, weil sie diese Leute braucht.