Maximilian Krah Die „afrikanische“ Regierung
Vor einiger Zeit gab es Aufregung wegen einer rassistischen Äußerung des AfD-Politikers Maximilian Krah. Es lohnt sich, die Äußerung ausführlich zu betrachten.
Maximilian Krah, © European Union, 1998 – 2026
Krah schrieb auf X (Twitter):
Wer ethnische Afrikaner und Afghanen in die Regierung nimmt, macht die Regierung auch kulturell afrikanischer und afghanischer. Was erwarten die Linken denn? Dass Wurzeln, Prägungen, Eigenheiten keine Rolle spielen? Der Mensch formt seine Umgebung nach der eigenen Veranlagung
Marisa Lattemann, „Kulturell afrikanisch“: Rassistische Entgleisung von AfD-Mann gegen grüne Ministerin, WAZ, 04.02.2024
Robert Wagner dokumentierte Krahs inzwischen anscheinend gelöschten Tweet und eine Antwort auf Twitter (jetzt X).
Wenn man auf X Sympathisanten der AfD mit diesem Zitat konfrontiert, hört man oft, es sei nicht rassistisch, aber Krah habe doch recht.
Wer ist gemeint?
Krahs Äußerung war nicht allgemein zu verstehen, sondern sehr konkret auf Aminata Touré gemünzt, die zu diesem Zeitpunkt in Schleswig-Holstein Ministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin war. Die Politikerin engagiert sich stark gegen Rassismus, wie der folgende Redeausschnitt zeigt.
Da spricht offensichtlich eine deutsche Muttersprachlerin, man hört leicht umgangssprachliche Töne. Aminata Touré ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat ein Hochschulstudium absolviert und wurde schließlich Ministerin eines Bundeslandes und Mitglied des Bundesrates. Man könnte fast sagen: eine deutsche Bilderbuchkarriere.
Offensichtlich weisen im Fall von Aminata Touré alle kulturellen Merkmale, die man erwerben kann, auf Deutschland hin. Touré ist eine Politikerin der Grünen; dass Krah hier politische Differenzen sieht, versteht sich von selbst. Krah bezog sich allerdings nicht auf politische Positionen, sondern auf die Person, und offensichtlich auch nicht auf erworbene Merkmale, denn die sind ausnahmslos deutsch.
Was meint Krah, wenn er sagt, durch sie werde die Landesregierung „afrikanischer“?
Aminata Touré bei einer Rede im Landtag Schleswig-Holsteins.
Dies meint er. Krah hat alle erworbenen Merkmale ignoriert, das unveränderliche Merkmal gesehen und die dunkle Hautfarbe der Politikerin als „afrikanisch“ gelesen.
Sogar für die AfD zu viel
Einigen AfD-Mitgliedern gingen Krahs Äußerungen zu weit. Sogar Torben Braga, Parteifunktionär in Björn Höckes thüringischem Landesverband, schimpfte beispielsweise über Krah:
Du setzt hier zum wiederholten Male letztlich rassistischen Müll in die Welt & zwingst die Partei zum Widerspruch, um sich diesen Mist nicht zurechnen lassen zu müssen.
Torben Braga, zitiert nach Amadeu Antonio Stiftung, Rechtsextremer Verdachtsfall […]
Krah dachte jedoch gar nicht daran, irgendetwas zurückzunehmen. Ganz im Gegenteil, er legte nach und bekräftigte, dass die Ethnie (eine biologisch-genetische Dimension) seiner Ansicht nach die Kultur, das Denken und das Handeln der Menschen so stark beeinflusse, dass nicht einmal die lebenslange Zugehörigkeit zu einer anderen Kultur daran etwas ändern könne. Indirekt bringt er hier sogar die dunkle Hautfarbe (genetisches Merkmal) mit Korruption (änderbares Verhalten) in Verbindung. Auf einen Kritiker, der direkt auf X geantwortet hatte, reagierte Maximilian Krah folgendermaßen:
Lösen Sie sich von Ihrer inneren Angst, die Wahrheit auszusprechen! Natürlich ist Korruption korreliert mit Kultur und Kultur mit Ethnie. Empirisch belegbar. Ja, die Linken wollen nicht, dass die Realität ausgesprochen wird. Aber soll ich deshalb der Lüge folgen?
Marisa Lattemann, „Kulturell afrikanisch“
Ein Vergleichstest
Was passiert, wenn wir Krahs Äußerung 1:1 auf den in Rumänien geborenen AfD-Politiker Frohnmeier übertragen? Wird durch die Mitgliedschaft des „ethnischen Rumänen“, wie Krah es eigentlich ausdrücken müsste, die AfD korrupter und rumänischer? Und was ist mit der dunkelhäutigen Catherine Schmiedel? Aminata Touré ist in Deutschland geboren, Schmiedel in Nigeria. Müsste Krah nicht analog sagen, dass durch sie die AfD „afrikanischer“ wird?
Er denkt nicht dran. Doch sobald die politische Richtung nicht genehm ist, schlägt der Rassismus durch, und die Hautfarbe dient als Kriterium zur Diffamierung.
Deutsches Blut muss es sein
In Aminata Tourés Fall stellt Krah jedoch einen Zusammenhang zwischen Korruption – Kultur – Ethnie und „afrikanisch“ her. Das ist befremdlich, weil Aminata Touré seit ihrer Kindheit durch die deutsche Kultur geprägt ist. Maximilian Krah ist nicht dumm; für ihn muss diese scheinbar widersprüchliche Äußerung folgerichtig sein.
Wenn er Aminata Touré trotz ihrer deutschen Sozialisierung als afrikanisch bezeichnet, meint er nicht ihr Verhalten, ihre Ausbildung, ihre Erziehung oder ihre Sprache. Er sagt nicht, sie habe dieses oder jenes getan. Er sagt vielmehr: Sie ist „afrikanisch“, obwohl alle ihre erwerbbaren und erworbenen Merkmale deutsch sind.
Wie kann eine in Deutschland aufgewachsene Ministerin eines Bundeslandes dennoch afrikanisch sein?
Diese Aussage ist nur möglich, wenn Krah sich nicht auf erwerbbare, sondern auf genetische Merkmale bezieht. Das „Afrikanische“ sei demnach etwas so Tiefes und Wesentliches, dass Geburt, Kindheit und Ausbildung in Deutschland dies nicht aufheben könnten. Da aber alle gelernten Merkmale ausscheiden, bleibt nur noch das unveränderliche Äußere. Offensichtlich glaubt Krah, er könne das unerwünschte, negativ bewertete „Afrikanische“ an ihrer Hautfarbe festmachen. Tatsächlich stellt Krah hier also eine ganz andere Verkettung her: dunkle Hautfarbe – afrikanisch – kann nicht deutsch sein.
Dies ist allerdings ein Aufguss alter völkischer Vorurteile. Früher hieß es, ein Jude könne kein Deutscher sein, und für Krah heißt es offenbar, eine dunkelhäutige Frau bleibe unabhängig von ihrem Werdegang stets irgendwie „afrikanisch“.
So geht Rassismus.