miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

Die bösen Mangalevi(ten)

Auch hier gilt: Damals an Diskussionen im Usenet beteiligte Personen sind nicht interessant; deshalb werden die Namen verfremdet. Wichtig sind die Denkweise und die Strukturen der Argumentation, die man mühelos auf heutige Akteure übertragen kann. Anschauungsmaterial zum Gruseln.

Der Teilnehmer hat das Wort „Juden“ durch einen Code ersetzt. Er spricht von „Leviten“ und beschreibt sie als bösartige Drahtzieher. Immer wieder hat er beteuert, er meinte ja gar nicht „die Juden“ als Gesamtheit, und immer wieder hielt er es für notwendig zu betonen, dass die „Leviten“, über die er schrieb, eben doch Juden seien, weshalb man sie als „Leviten“ identifizieren könne. Antisemiten benutzen diesen Trick seit langer Zeit und verändern gelegentlich die Vokabeln. Wer an „Globalisten“ denkt, könnte einiger Maaßen richtig liegen.


Mehrere bewaffnete Aliens mit spitzen, seitlich abstehenden Ohren, breitem Maul, wulstigen Lippen und wulstigen Augenbrauen.

Mangalore – die Schurken in Das fünfte Element

Als der Film Das 5. Element herauskam, waren für „Normarz“ (Name verfremdet) die Fronten sofort klar. In den Mangalore, die dort als ebenso tumber wie großmäuliger Kinderschreck erscheinen, erkannte er seine Erzfeinde, die Leviten, wieder:

Und es waren auch nicht DIE Israeliten, sondern nur die von Israel selbst ausgestossenen und verfluchten Israeliten vom Stamm Levi (Genesis 49,5), welche im Uebrigen wiederum den boesen Mangalores aus Das Fuenfte Element entsprechen, die dort als von der Regierung zerstreut dargestellt werden.

Normarz im Usenet

Ein Alien hält dem Priester eine Waffe an die Schläfe

Schurken machen Schurkensachen

Wie diese Mangalore-Leviten aussehen, kann man oben erkennen.

Diese Assoziation passt auf zweierlei Weise hervorragend ins antisemitische Weltbild. Zunächst einmal muss man sich erinnern, dass Normarz gelegentlich eine christlich-fundamentalische Weltanschauung vertrat und das Judentum für eine levitische (satanistische) Verirrung hielt. Er behauptete sogar einmal, er habe von ganz oben den Auftrag bekommen, die Welt oder wenigstens Deutschland vor den Leviten (Juden) zu retten.

In Das 5. Element tritt seiner Ansicht nach das mangalevitische (satanistische) Böse mit hässlicher Fratze auf und nimmt ausgerechnet einen Priester als Geisel. Das ist in Comics oft die Stelle, an der Superman eingreift. Im Film übernimmt Korben Dallas (Bruce Willis) die Rolle des coolen Weltenretters. Und selbstverständlich hat der Name einen tieferen Hintergrund, meint Normarz:

Uebrigens duerfte der Name des Korben in Das 5. Element ein Hinweis auf die „Korybanten“ sein, welche in lateinisch die „Galli“ waren. Die Priesterschaft des Stammes Juda (kein Zusammenhang mit Priestern der Juden, welche i.d.R. eben vom Stamm Levi waren, die den Namen des Stammes Juda einfach geklaut hatten).

Normarz im Usenet

Der Begriff „Jude“ darf hier nicht verwirren – in dieser christlich-fundamentalistischen Lesart gelten Christen als die wahren Juden, und alle die sich Juden nennen, seien die Kinder Satans. Normarz schien sich mit diesem heldenhaften Kämpfer zu identifizieren, denn zu seiner Herkunft sagte er:

[…] meine Mutter ist eine geborene Gall, was zu den Galliern und den Galli hindeutet, den einstigen Priestern der Kybele, unserer Juda. Und so kam meine Diesseitsfigur bestens getarnt als Sohn eines Zimmermanns[!] und einer Hausfrau zur Welt, in der sich zwei verlorene altjudäische Linien kreuzten, wodurch ein typischer Ur-Israelit mit Genesis-Eigenschaften entstehen mußte, was sich auch äußerlich, aber vor allem in den geistigen Möglichkeiten niederschlug.

Normarz im Usenet

Wüsste man nicht, dass dies ein erwachsener Mann geschrieben hat, man könnte solche Vorstellungen als pubertäre Allmachtsphantasien abtun, die genau wie Pickel, Trotz, Launenhaftigkeit und Hormondünste nach einer Weile von selbst wieder abklingen.

Ganz so einfach ist die Sache nicht, denn es gibt noch einen zweiten Aspekt, der erst zutage tritt, wenn man berücksichtigt, dass Normarz mit „Leviten“ die Menschen meint, die sich heute Juden nennen. Erst in der Gegenüberstellung eines Mangalevi aus Das 5. Element mit einigen zeitgenössischen Produkten der antisemitischen Propaganda wird deutlich, in welchen Bahnen seine Assoziationen verlaufen sind.

Ein hässlicher Alienkopf von der Seite

Ein Mangalore

Antisemitische Propaganda. Ein als Jude gemeinter Mann, der den Mangalore etwas ähnlich sieht, schreibt hohe Prozentzahlen auf eine Tafel, auf der „Wall Street“ über einigen Zahlen steht.

Antisemitische NS-Propaganda

NS-Propaganda: Blut strömt aus nackten Körpern, als Juden gemeinte Menschen fangen es auf.

Die antisemitische Ritualmordpropaganda

NS-Propaganda: zwei weitere jüdisch gemeinte Menschen mit großen Nasen und wulstigen Lippen

NS-Propaganda: angeblich böse und hässliche Juden

Ein böser, hässlicher Mann, der ein Jude sein soll, hat ein „arisch“ gemeintes Mädchen auf dem Schoß.

NS-Propaganda zur sog. „Rassenschande“

Abgesehen von diesen rassistisch-antisemitischen Tönen hatte die Angelegenheit auch einen etwas skurrilen Aspekt. Die feindlichen Komparsen waren näher, als Normarz ahnte. Einige waren sogar in derselben Usenet-Gruppe unterwegs und gaben sich als Angehörige einer gewaltigen Verschwörung in der linken Garage eines ahnungslosen Ehepaars zu erkennen.

Siehe auch