miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

Augenblick mal!

Nahaufnahme der Filmfigur. Rote Haare, grüne Augen.

Milla Jovovich als Leeloo

Die Namen der Beteiligten sind uninteressant und bleiben unerwähnt oder sind verfremdet. Interessant und zeitlos ist, wie sich ein Verschwörungsgläubiger die Welt passend fabuliert.

In dem Film Das Fünfte Element sah er tiefgründige und weltbewegende Anspielungen: Hier die „ur-arische“ Leeloo mit roten Haaren und blauen Augen, dort die bösen Mangalevi (oder Leviten, sein Codewort für Juden).

Die folgenden, leicht redigierten Texte stammen aus einer Diskussion im Usenet über den Film. Wie sich herausstellte, war der Übersetzer des Buchs zum Film Abonennt der Gruppe und beteiligte sich an der Diskussion. Das machte ihn allerdings nicht zur Autorität, sondern höchst verdächtig: Angeblich hätte er in levitischem Auftrag gefälscht.

Nach längerem Hin und Her räumten die Beteiligten schließlich ein, dass es eine Verschwörung gab, die erheblich umfangreicher war, als „Normarz“ anfangs dachte.


Normarz schrieb über den feindlichen Falschübersetzer:

Wir haben nun neben seiner staendigen Hetze und Verdreherei und NS-Hintergrund-Verteidigung auch erlebt und dokumentiert, wie er in Sachen Das Fuenfte Element das Original (Film) faelschte (als Uebersetzer der Buchversion) und diese Verfaelschung dann als „Beweis“ gegen das Original anfuehrte, dabei aber tunlichst verschwieg, dass er selbst der Uebersetzer (und Falescher[!]) war.

Er wusste bereits, wie die Abläufe in solchen Fällen sind: Erst kommt der Film heraus, und wenn es sich zu lohnen scheint, kauft ein Verlag die Buchrechte an der Story und lässt einen Autor ein Buch zum Film schreiben. Nur dieses Buch zum Film hatte der Teilnehmer übersetzt; mit dem Drehbuch hatte er nichts zu tun.

Es war wohl zu mühsam, alles noch mal haarklein zu erläutern, daher kam eine eher knappe Reaktion:

Nun sind die Augen aber tatsächlich grün. Das steht so im Buch, und das ist in mehreren Nahaufnahmen im Film deutlich zu sehen. An einer Stelle sagt Bruce Willis zwar, ihre Augen seien blau (auf diese Stelle bezieht sich „Normarz“), doch er sagt das nur wenige Minuten, nachdem in Großaufnahme die grünen Augen der Frau zu sehen waren.

Nahaufnahme: Leeloo (Milla Jovovich) im Vordergrund mit roten Haaren und grünen Augen.

„Grün“, sagte Ruby Rhod. "Alles supergrün." – Leeloo (Milla Jovovich), Ausschnittvergrößerung aus dem Film Das fünfte Element, (c) Sony Pictures

[Ergänzung 2026: Zur Verdeutlichung noch mal ein Foto von den Filmfestspielen 2019 in Cannes.]

Die Schauspielerin lächelt in die Kamera, sie hat rötlich-brünette Haare und trägt silberne Ohrringe mit langen weißen Schnüren aus kleinen Perlen.

Milla Jovovich 2019, Ausschnitt

[Die folgenden Abschnitte aus den alten Usenet-Texten sind nicht mehr als Zitate ausgezeichnet.]

Aus den roten Haaren der Hauptdarstellerin und aus ihren blauen Augen, die in Wirklichkeit grün sind, hat Normarz die These konstruiert, im Film Das fünfte Element solle eine Art arischer Urtyp ins Bewusstsein der Massen gebracht werden: rote Haare, blaue Augen. Die Leviten (Normarz' Code für die Juden) oder in diesem Fall die Mangalevi(ten) seien dagegen die Erzschurken.

Die Sache war natürlich von langer Hand geplant.

Wir wussten nämlich ganz genau (Zeitsprungtechnik!), dass Normarz auf diesen Urtyp abfahren und darüber reden würde. Deshalb war ich auch fast den ganzen April in unserem Hauptquartier im Levy County, Florida, um den Film und das Buch zu bearbeiten, die ein paar Monate vorher erschienen sind. Wir haben diese „Fehler“ im April schnell noch eingebaut, um Normarz ein paar Wochen vorher mal ordentlich vorgeführt haben zu können.

[Anmerkung 2026: Zwischenzeitlich hatten sich noch andere Teilnehmer eingeschaltet und die Diskussion fortgesetzt. Der Übersetzer hatte manchmal etwas anderes zu tun, zum Beispiel arbeiten. Nach einer Weile nahm er den Faden wieder auf.]

Okay, okay, jetzt mische ich mich mal ein. Also, ich gebe ja zu, dass ich das Buch übersetzt habe.

Aber was Normarz sich da über unsere Verschwörung und meine angebliche Fälschung zusammenspinnt, das stimmt einfach nicht. Er liegt da nämlich um ein paar Größenordnungen falsch; ungefähr so falsch, als würde ein Kind zum Mond zeigen und sagen: „Mama, Luftballon!“

Das Schöne an unseren Aktionen ist, dass sie nicht nur unseren Zielen dienen, sondern oft auch noch lukrativ sind. Der Film Das fünfte Element ist jetzt ziemlich ausgelutscht, also kann ich verraten, wie das gelaufen ist, ohne unsere finanziellen Interessen zu gefährden.

Wir haben den Film überhaupt nur aus einem einzigen Grund gemacht: Wir wollten Normarz reinlegen. Dass wir dabei auch noch saugut verdient haben, war ein erfreulicher Nebeneffekt, aber nicht die Hauptsache.

Eine Straßenkreuzung in Florida, oben in Spanndrähten hängt eine Ampel, daneben das Straßenschild, weiße Schrift auf grünem Untergrund.

Levy Boulevard: Auf dem Weg ins Hauptquartier. (Die schlechte Bildqualität liegt an den Zeitsprüngen. Fotos altern nicht gut.)

Eigentlich dachten wir, dass er schon beim Ansehen des Films ausklinkt, weil die Augen der Hauptdarstellerin tatsächlich in allen Nahaufnahmen grün sind (in einer Szene hatte sie die Kontaktlinsen vergessen, das mussten wir dann im Kopierwerk noch etwas nachretuschieren). Wir haben das ganz bewusst gemacht. Die Augen sind grün, da haben wir wirklich peinlich drauf geachtet. Und dann haben wir Bruce Willis sagen lassen, sie seien blau.

Normarz war aber leider zu unaufmerksam und hat das nicht gemerkt, als er den Film gesehen hat. Also mussten wir schnell noch das Buch entsprechend anpassen und auf den Markt bringen, weil wir dachten, vielleicht liest er's ja. Um ihm die Sache schmackhaft zu machen, haben wir vorne meinen Namen reingeschrieben. Anscheinend kannte er aber das Buch nicht, oder er hat nicht richtig hingeguckt. Jedenfalls musste ich ihn dann immer noch mit der Nase drauf stoßen, ehe er in die Gänge gekommen ist.

Ich sagte ja neulich schon, dass ich im April in unserem Hauptquartier im Levy County (Florida) war, um den Film und das Buch per Zeitsprungtechnik noch etwas nachzubearbeiten. Wahrscheinlich hielt Normarz das für einen Witz, aber es ist wahr.

Auf dem rechten Foto unten ist das gut getarnte Hauptquartier zu sehen.

Links ein Straßenschild: „Entering Levy County“. Rechts inmitten von Bäumen ein kleines weißes Wohnhaus, dessen unterteilten Patio man für drei Garageneinfahrten halten könnte.

Rechts das Hauptquartier im Levi County. Die Verschwörung befindet sich in der linken Garage (unsichtbar).

Es sieht harmlos aus, und tatsächlich haben Mr. und Mrs. Levinsky, die da wohnen, überhaupt keine Ahnung, dass sie unsere Tarnung sind. Sie stehen unter der Kontrolle eines starken Gedankensenders. Der eigentliche Eingang zum HQ ist im Werkzeugschrank in der linken Garage. Dort beginnt das unterirdische Gangsystem, das wir in langer Wühlarbeit bis in Normarz' Unterbewusstsein vorgetrieben haben.

Übrigens ist seine Behauptung nicht richtig, ich würde Texte aus dem deutschen Usenet ins Englische übersetzen und die Antworten zurückübersetzen; das würde viel zu lange dauern. Nein, im Hauptquartier sind rund 45.000 hochqualifizierte Mitarbeiter, die alle Deutsch als Muttersprache sprechen, damit beschäftigt, Normarz' Usenet-Postings zu analysieren und entsprechende Antworten vorzubereiten. Um Manni und Hajott kümmern sich ebenfalls mehrere Agenten, und mit Hotte lassen wir manchmal den Sohn des Abteilungsleiters spielen [vgl. Drei Grazien].

Dann gibt es da noch eine Technik-Abteilung, wo die ZOG-Dekoderringe weiterentwickelt werden. In Form von Kaugummiautomaten-Extrabeilagen (ihr wisst schon, diese Plastikkugeln mit allerhand Zeugs drin) werden die ZOG-Ringe, Uhren, Comicfiguren und Minibagger schon an Kinder verteilt, damit wir die Jugend möglichst früh in den Griff kriegen.

[Anmerkung 2026: ZOG ist ein antisemitisches Kürzel für „Zionist Occupied Government“ – die angeblich von Zionisten beherrschte Regierung. Die Filmfigur Jean-Baptiste Emanuel Zorg war demnach besonders böse.]

Die Analyse-Abteilung bekommt jeden Morgen per Eilkurier Normarz' Müll zur Auswertung geschickt. Im Augenblick beschäftigen sich die Kollegen dort mit der Frage, warum er seit kurzem auf Bahlsen-Erdnüsse und Fischkonserven steht. Außerdem ist er offenbar zu faul, den Glasmüll und die Sachen auszusortieren, die eigentlich in den Gelben Sack gehören.

Also, kurz und gut, es ist ein wirklich riesiger Laden, in dem ich nur ein ganz kleines Rädchen bin. Normarz hat meine Bedeutung in unserer Verschwörung über- und die Größe der Organisation unterschätzt. Genaugenommen ist es nämlich so, dass außer Normarz die ganze Weltbevölkerung dazugehört.

[Hier wieder ein O-Ton von Normarz, der sich regelrecht in den Film, das Buch und den Übersetzer verbissen hatte:]

Also den Film in deutscher Uebersetzung hat er offenbar nicht gesehen, oder es stoerte ihn halt, dass die Augen dort blau sind. Vielleicht mag er blaue Augen einfach nicht. Insbesondere in Kombination mit roten Haaren und den anderen Hinweisen, wie ZORG – Zentralorgan – als Name fuer den Superboesen.

[Darauf folgten weitere Eingeständnisse des Augenfarbenfälschers.]

Das ist irre, dass du hier einen Hinweis entdeckt hast, den wir gar nicht eingebaut haben. Der Typ heißt nämlich im Original auch ZORG, und wenn man weiß, dass man „zentral“ im Englischen „central“ schreibt, dann weiß man auch, dass es so nicht gewesen sein kann.

In Wirklichkeit steht ZORG für „Zionist Occupied Remote Government“. Das ist die zionistisch beherrschte Fernlenkregierung. Warum muss man dir eigentlich alles haarklein vorkauen? Kannst du denn ohne Vorsagen nicht mal auf die allereinfachsten Assoziationen kommen?

Wahrscheinlich hast du auch noch nicht geschnallt, dass der Titel Das fünfte Element eine Anspielung auf ein Fünfeck ist, nicht wahr? (Das führt hier jetzt zu weit, ich schreibe einen eigenen Artikel dazu.)

ZORG ist selbstverständlich der böse Zionist, Leeloo ist das arisch-ägyptische Urseelchen, und Korben Dallas ist der teutsche Held, der rettet die Welt. So solltest du dir das eigentlich denken. Das heißt – so denkst du dir das ja auch, nicht wahr?

Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass du bei den üblen Außerirdischen, die ZORG helfen, an Juden denkst: Schau mal, diese Nasen und dieses Kinn, und unrasiert sind sie auch – sehen die nicht ausgesprochen levitisch aus, diese Mangalore?

Wie ich schon sagte, als wir das gemacht haben, wollten wir gar nicht den Film, sondern in erster Linie dich vorführen. Hast du denn immer noch nicht begriffen, dass das alles Absicht war mit diesen vermeintlichen Fälschungen und Unstimmigkeiten?

Die Augen sind wirklich grün, glaub's mir. Wir haben Bruce Willis einfach einen falschen Text gegeben, und er hat das ganz brav aufgesagt.

Er hat das übrigens bis heute nicht gemerkt, obwohl er seiner Partnerin Milla Jovovich („Leeloo“) – also, sagen wir mal, er ist ihr sehr nahe gekommen. Demi Moore ist dann auch gekommen, und zwar schnell und gewaltig. (Sie ist Bruce Willis' Frau, das weißt du sicher). Sie kam angewalzt und hat den Set in Kleinholz verwandelt. Sie war verdammt gut in Form, weil sie gerade für ihren neuesten Film, wo sie beim Militär ist, hart trainiert hatte.

Da fällt mir gerade ein – es kann natürlich sein, dass Millas Augen danach ein bißchen blau waren. Vielleicht hast du doch nicht ganz unrecht. Aber eigentlich müssten die Maskenbildner das geflickt haben. Ich kann mich ja mal erkundigen, ob die vielleicht gepennt haben.

Aber wie auch immer, Das fünfte Element ist jetzt wirklich ziemlich durch. Ich finde, du solltest dir allmählich Gedanken über die Fälschungen in Lost in Space machen. Demnächst in diesem Kino.

[Hier schaltete sich wieder ein anderer Teilnehmer ein:]

Das wird alles dadurch kompliziert, dass ein von unserer weltweiten Levitisch-Bolschewistisch-Sozialistischen universellen Weltverschwoerung unter Normarz' Bett plazierter Gehirnwellenmanipulator seine Wahrnehmung der Augenfarbe bei Betrachten des Films veraendert hat. So hat er gar nicht gemerkt, dass die Augen im Film tatsaechlich BRAUN sind.

[Auch da gab es noch mal etwas zu ergänzen.]

Ja-ein. Außerdem sind sie nämlich grün, und ein bisschen blau sind sie auch. Ich habe ja neulich schon gesagt, dass Bruce Willis der Hauptdarstellerin Milla Jovovich ziemlich nahe gekommen ist. Es war sicher eine Begegnung, die unter die Haut ging, wie man so sagt.

Dann ist aber Demi Moore gekommen, Bruce Willis' Frau, und hat den Set in Kleinholz verwandelt. Sie war ja gut in Form, weil sie sich für GI Jane gerade ordentliche Muckis antrainiert hatte. Dabei hat auch Milla was abbekommen, und zwar aufs Auge. Die Maske sollte das dann retuschieren, aber das ist nicht völlig zufriedenstellend verlaufen.

Insofern hat Normarz sogar recht, die Hauptdarstellerin hatte tatsächlich blaue Augen, wenn auch aus anderen Gründen, als er meint. Aber sie hatte eben außerdem auch braune und grüne Augen, alles zusammen. Demi Moore hat Milla sozusagen grün und blau geprügelt. Wie ich gerade erst erfahren habe, hat das ein geistesgegenwärtiger Mitarbeiter sogar in einer Nahaufnahme dokumentiert (GIF-Animation, ggf. mit F5 neu starten).

Ein gezeichnetes rechtes Auge, die Iris ist leuchtend grünGIF-Animation: ein gezeichnetes linkes Auge, das sich zwinkernd öffnet und schließt und zwischen braun und blau die Farbe wechselt

Als Ergänzung jetzt die Sache mit den fünf Elementen. Die Fünf ist eine magische Zahl, wie du sicher weißt. Das Symbol dazu ist das Pentagramm.

Da gab es im 19. Jahrhundert mal einen Abbé Alphonse-Louis Constant, der sich der Erforschung der magischen Wissenschaften gewidmet hat. Er hat sich mit Tarot und verschiedenen anderen Dingen beschäftigt. Er wollte unter anderem durch Beschwörung der Toten das Wissen unserer Vorfahren in uns wiedererwecken, und dazu hat er Rituale und verschiedene Techniken entwickelt.

Eins seiner bekannteren Experimente ist eine Beschwörung mit Hilfe eines Pentagramms; ich glaube, so was taucht auch im Faust auf. Der Abbé war wohl recht erfolgreich damit, denn er hat allerhand Unterweltliches herbeizitiert. Ich spare mir jetzt mal die detaillierte Schilderung seiner unheimlichen Begegnungen der fünften Art.

Ich habe diese Angaben übrigens aus Lexikon der Rituale, Heyne Sachbuch Nr. 43, Seite 503f entnommen.

Aber das wirklich Interessante habe ich dir noch nicht verraten. Dieser Abbé Alphonse-Louis Constant hat später den Namen gewechselt. Und jetzt rate mal, wie er sich genannt hat. Er nannte sich Eliphas Levi.

Da haben wir sooooo schöne Anspielungen in Das fünfte Element eingebaut, und du hast das einfach nicht geblickt. Normarz, du bist viel zu oberflächlich.

Das nächste Mal schicken wir dir einen Zeppelin mit Spruchbändern vor dem Fenster vorbei, oder vielleicht schalten wir auch ganzseitige Anzeigen in der Berlin-Brandenburger Zeitung und drucken die Lösungen für die Filmrätsel vorher ab. Das kannst du dir dann ausschneiden und im Kino mitlesen, damit du nicht wieder soviel verpasst.

Siehe auch