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Der BibelcodeMichael Drosnins mathematische BibelforschungIn seinem Buch Der Bibel-Code[1] behauptet Michael Drosnin, in der Bibel (bzw. in der Tora) könne man mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens Prophezeiungen entdecken. Man müsse dazu eine Bibel in hebräischer Sprache verwenden. Der Text wird als "Bandwurm" aufgereiht, also ohne Absätze und Überschriften. Wenn man dann anhand verschiedener Zahlenschlüssel Buchstaben überpringt, könne man unterschiedliche Prophezeiungen herausfiltern. In Drosnins Buch finden sich zahlreiche Tafeln zur Ermordung von Präsidenten, zu kriegerischen Auseinandersetzungen, zum Holocaust und so weiter. Hier ein Beispiel für eine solche Fundstelle aus Der Bibel-Code, Seite 16:
Aus: Michael Drosnin Der Autor besteht darauf, dass dies nur mit der Bibel in hebräischer Sprache funktioniert. Drosnin zitiert Dr. Rips als den Mathematiker, der den Code entdeckt hätte, auf Seite 31 folgendermaßen: "Selbstverständlich finden sich in jeder Art von Text willkürliche Buchstabenkombinationen", räumte Rips ein. "Der Name 'Saddam Hussein' wird uns in einer beliebigen Datenbank begegnen, wenn sie nur groß genug ist. Aber es ist unwahrscheinlich, ihn mit dem Hinweis auf Scuds, russische Raketen und das Datum des Kriegsausbruchs an ein und derselben Stelle anzutreffen - und dies vor Eintreffen des vorhergesagten Ereignisses. Dabei ist es unerheblich, ob uns ein Text von 100 000 oder 100 Millionen Buchstaben vorliegt. Einzig in der Bibel finden sich miteinander in Zusammenhang stehende Angaben." Man hätte Kontrollversuche mit dem Buch Krieg und Frieden gemacht, dort jedoch keine codierten Informationen gefunden. Gerade die Tatsache, dass dieses Verfahren ausschließlich bei der Bibel in hebräischer Sprache funktioniert, bewertet Drosnin als Beleg für die Gültigkeit. Das ist auch logisch, denn wenn man nachweisen könnte, dass dies mit jedem Buch und auch in anderen Sprachen funktioniert, dann würde die Behauptung, Gott oder eine andere höhere Macht hätte in der Bibel Prophezeiungen versteckt, in sich zusammenbrechen. Der Nachweis, dass auch nur in einem einzigen anderen Buch außer der Bibel codierte Informationen stecken, wäre gleichbedeutend mit dem Nachweis der Beliebigkeit. Damit wären die vermeintlich göttlichen Prophezeiungen auf die Ebene bloßer statistischer Wahrscheinlichkeiten reduziert, die nicht nur ausschließlich in der Bibel, sondern auch für jedes beliebige andere Buch gültig sind. Drosnin war von diesem System so überzeugt, dass er folgende Herausforderung formuliert hat:
Genau dies ist gelungen. Auf einer (englischsprachigen) Web-Seite kann man nachlesen, dass auch in Moby Dick codierte Botschaften enthalten sind. Sogar der Tod von Prinzessin Di wurde "vorausgesagt". Inzwischen gibt es auch eine Stellungnahme von Dr. Rips (Professor für Mathematik an der hebräischen Universität Jerusalem), der sich von Drosnin ausdrücklich distanziert. Er sagt in seiner öffentlichen Erklärung:
Die Stellungnahme von Doron Witztum liegt ebenfalls vor. Er vertritt die Ansicht, dass es in der Bibel Codierungen gibt, dass aber Michael Drosnin auf diesem Gebiet nicht als seriös gelten darf:
Das ist ein vernichtendes Urteil über Michael Drosnin, der sich in seinem Buch unter anderem auf Doron Witztum beruft. Besonders interessant finde ich die Web-Seite, auf der man folgendes lesen kann: In der Bibel sei die Mitteilung codiert, dass man in Moby Dick etwas finden könne, während in Moby Dick empfohlen wird, die Bibel so zu lesen, wie sie ist, weil dort keine Codes zu finden seien. Die Autoren dieser Web-Seiten haben natürlich vorher festgelegt, was sie finden wollten, und sie haben es gefunden; und genau dies ist ein Beleg dafür, dass der Bibelcode, wie Drosnin ihn in seinem Buch vorgestellt hat, nicht funktioniert. Eine weitere Kritik an Drosnins Bibel-Code wurde von David E. Thomas im Skeptical Inquirer veröffentlicht. (Die oben genannten URLs sind nicht immer zuverlässig ansprechbar. Ich würde im Zweifelsfall empfehlen, bei einer Suchmaschine wie z.B. Google die Namen "Witztum" und "Eliyahu Rips" abzufragen.) Siehe auch:Anmerkung:
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Jürgen Langowski |