miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

Whack-a-mole mit Leugnern Maulwürfe, Zensur und Unterstellungen

Wenn Holocaustleugner in Diskussionen implodieren, verschwinden sie für eine Weile und tauchen kurz danach unter neuem Namen, aber mit den alten Textbausteinen und Bildchen wieder auf.

Wer das Arcade-Spiel Whack-a-mole (Hau den Maulwurf) kennt, hat einen guten Begriff, wie das abläuft.

Bei dem Arkadespiel muss man mit einem Gummihammer Maulwürfe bekämpfen, die in schneller Folge aus mehreren Löchern in der Spielfläche herausschauen.

Whack-a-mole. © Fotografin linkes Bild: Anna Frodesiak, gemeinfrei. Rechtes Bild nicht zuzuordnen.

Sie setzen auf Ermüdung. Irgendwann schafft man es nicht mehr, zeitnah auf die Maulwürfe zu reagieren. Auf höheren Leveln des Spiels tauchen oft sogar mehrere gleichzeitig auf.

Ein Teil des Spiels geht so: Sie beklagen sich ausführlich darüber, wie sehr sie unter der Zensur leiden, und bestreiten ebenso ausführlich die Realität der Massenmorde. Das klingt paradox, ist aber Realität.

Ihre Idee ist, dass an der Geschichtsschreibung etwas nicht stimmen könne, wenn viele Länder darauf angewiesen seien, die historische Wahrheit gesetzlich festzuschreiben. Sie (die Leugner) hätten eigentlich sehr gute Argumente, die sie aber leider nicht vortragen dürften, weil es strafbar sei.

Das klingt auf den ersten Blick plausibel, ist aber falsch. In den USA ist das Leugnen des Holocaust nicht strafbar. Hätten die Leugner recht, dann müssten wir von amerikanischen Leugnern laufend starke Beweise sehen, die europäische Leugner nie benutzen. Germar Rudolf lebt seit Jahren in den USA. Er hat sich dort sehr freizügig gezeigt, wenngleich nicht mit neuen Argumenten.

Im Übrigen hat er ja auch in Deutschland trotz Strafandrohung und Strafe gesagt, was er sagen wollte. Nach eigenem Eingeständnis hat er genau zu diesem Zweck auch Pseudonyme benutzt [vgl. What's in a Nym]

Zensur

Wenn Leugner ihre Textbausteine abladen, bekommen sie manchmal Unterstützung. Manche lehnen Holocaustleugner ab, sagen jedoch, dies sollte genau wie in den USA in Europa nicht strafbar sein. Andere billigen die Fälschungen der Leugner, geben sich aber nicht offen als Sympathisanten zu erkennen.

In einer Debatte über die „Zensur“ der Leugner-Literatur in Europa sollte man beachten, dass nur sehr wenige Bücher tatsächlich den Status „eingezogen“ haben, also überhaupt nicht mehr verbreitet werden dürfen; der Besitz ist ohnehin nicht strafbar. Viele Texte haben lediglich eine Art Jugendschutz-Etikett. Sie sind verkäuflich, dürfen aber nicht beworben werden. Inzwischen kann man sowieso fast alle Bücher als PDF herunterladen.

Seit ich 1996 begonnen habe, intensiv die Bücher der Leugner zu lesen, gab es kein einziges Buch, das ich mir nicht per Fernleihe in meine Stadtbibliothek schicken lassen konnte. So gut wie alle Bücher der Leugner stehen in Universitätsbibliotheken (bezahlt von deutschem Steuergeld), sind ausleihbar und der Wissenschaft zugänglich.

Die Strafbarkeit der Holocaustleugnung wird im Übrigen auch von der Mehrheit der Deutschen befürwortet. Die Behauptung mancher Leugner, wir würden in diesem Punkt unterdrückt, trifft nicht zu.

Einem Leugner, der beharrlich immer wieder über Zensur sprach, kam ich etwas entgegen: Meinetwegen, vielleicht könnten wir das wirklich so liberal handhaben wie die USA. Das wird Gefühle verletzen, aber wenn man die Freiheit so extrem wichtig nimmt, könnte man das eventuell rechtfertigen. Und da wir gerade vorher über das NS-Regime gesprochen haben: Würdest du jetzt (genau wie ich) auch die Bücherverbrennungen der Nazis verurteilen?

Die Antwort des Leugners war überraschend und – höflich ausgedrückt – nicht frei von Emotionen und Widersprüchen [vgl. Bücherverbrennungen].

Unterstellungen

In einer Diskussion kann es wichtig sein, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Selbst wenn es meilenweit nach Leugner riecht, ist es wenig hilfreich, jemanden frontal anzugreifen und zu sagen: Du bist doch auch bloß ein Neonazi, der Hitler entlasten will. Es ist viel ergiebiger, über das zu sprechen, was jemand tut und sagt, im Gegensatz zu dem, was man ihm bloß unterstellt.

Überraschenderweise sind Unterstellungen sehr hilfreich. Positive Unterstellungen.

Ich unterstelle allen Diskussionsteilnehmern, dass sie die oft auch antisemitisch gefärbten Behauptungen der offenen Holocaustleugner genauso ablehnen wie ich.

Ich bitte sie um Zustimmung, dass jeder, der das Grundgesetz (Menschenwürde!) ernst nimmt, Holocaustleugnung verwerflich findet und sich selbstverständlich auf die Seite der historischen Wahrheit stellt.

Demokraten von weit rechts bis weit links sind Bürger, die das Grundgesetz achten. Sie werden mir gern zustimmen.

Für die heimlichen Helfer der offen agierenden Nazis wird es hier sehr ungemütlich. Sie werden ausweichen, weil sie sich nicht offen zu dem bekennen wollen, was sie eigentlich denken, und sich mit ihren Ausweichmanövern selbst demaskieren. Die heimlichen Helfer werden die klare Zustimmung zu historischen Tatsachen verweigern, die für alle anderen selbstverständlich ist.

Dann aber kann man die folgende Tatsache feststellen: Ich habe dich um Zustimmung gebeten, dass der Holocaust eine Realität ist. Diese Zustimmung hast du mir verweigert. Könntest du mir erklären, warum du solche Schwierigkeiten hast, die millionenfach bewiesene Realität des Holocaust einfach anzuerkennen?

Man muss ihnen kein Etikett aufkleben. Man kann sie an ihren Reaktionen auf Selbstverständlichkeiten erkennen.