miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

(Don't) Feed the Trolls Füttern, bis der Arzt kommt

„Don't feed the trolls“ ist eine alte Weisheit, und sie ist wahr. Es gibt Leute, die nichts anderes im Sinn haben, als andere Leute zu ärgern und feixend zuzuschauen, wie sich aufrichtige Diskussionsteilnehmer abstrampeln. Diese Trolle gibt es überall, und sie sind unersättlich. Je mehr man sie füttert, desto gieriger werden sie.

Ein Mann, der ein dunkles Hemd, eine Krawatte und eine Brille trägt, sitzt in einem abgedunkelten Raum gehässig grinsend an der Tastatur.

Ja, so sind sie.

Wenn man in einer Diskussion das Gefühl hat, nur noch vorgeführt zu werden und in zähem Morast zu waten, sollte man auf seinen Bauch hören und sich zurückziehen. Seelische Hygiene ist extrem wichtig. Psychologen nennen das „Selbstfürsorge“.

An den sadistischen Spielchen der Trolle sind schon viele verzweifelt, die zu spät durchschaut haben, mit wem sie es da zu tun hatten. Die beste Entscheidung ist oft, ihnen nicht die Aufmerksamkeit zu geben, die sie brauchen. Es sei denn …

Warum trollt der Troll?

Manchmal ist es, wie schon angedeutet, lediglich eine Art perverser persönlicher Lustgewinn. Es zeugt nicht gerade von Empathie, wenn man sich daran weidet, dass andere verzweifeln.

Manche haben ganz andere Motive, auch wenn dies die sadistischen Neigungen nicht völlig ausschließt. Einer von der letzten Sorte hat mir einmal im Rahmen einer Usenet-Debatte per Mail zu einem Buch von Germar Rudolf einige Fragen gestellt. In dem betreffenden Abschnitt ging es um die „Zweifel“ der Leugner und um die Brauchbarkeit der sogenannten Gaswagen für die Massenmorde.

Mit diesem Thema hatte ich mich noch nicht gründlich befasst. Also habe ich mir die Arbeit gemacht, gründlich recherchiert und eine ausführliche Widerlegung der Behauptungen im betreffenden Buch geschrieben. Das Ergebnis habe ich ihm per Mail geschickt.

Keine Rückmeldung, kein kurzes „danke für die Mühe“. Nichts.

Nach einer Weile habe ich nachgehakt und wollte wissen, was er dazu zu sagen hatte.

Immer noch nichts.

Ich habe noch einmal nachgehakt.

Ich bekam keine Mail, sondern eine öffentliche Antwort in der Gruppe: Ich würde wohl eine Harnverhaltung bekommen, wenn man mir keine Fragen mehr stellte.

Schau an, da trollt ein Troll.

Daraufhin habe ich meinen Antworttext etwas aufbereitet, vollständig gepostet und mich für die Anregung zum Schreiben bedankt; falls er weitere Textvorschläge hätte, sollte er mir bitte Bescheid geben.

Dieser Troll hatte sehr klare Absichten. Er hat zwar nicht offen den Holocaust geleugnet, seine Attacken aber immer gegen anständige Leute gerichtet, die den Leugnern der Massenmorde in der Gruppe widersprochen haben.

Er war ein Troll mit einer Agenda.

Über Bande

Sobald klar war, wo er stand, habe ich seine Beleidigungen und Provokationen vollständig ignoriert, ausgesprochen höflich geantwortet und seine Zustimmung unterstellt, dass das Leugnen des Holocaust im Grunde nur eine Verschwörungsfantasie sei. Ergänzend habe ich ihn sachlich und ausführlich über die logischen und historischen Fehlleistungen der offenen Leugner informiert. Sehr ausführlich. Wenn ich mir etwas Mühe gebe, kann ich ausgesprochen geschwätzig sein.

Es hat eine Weile gedauert, bis der Troll verstanden hat, dass ich seine Vorlagen dankbar aufgegriffen und ihn als Projektionsfläche benutzt habe, um historische Fakten zu veröffentlichen und umgekehrt über Bande die anzugreifen, die er eigentlich decken wollte.

Meine Antworten waren gespickt mit Originalzitaten, Quellenangaben, Zitaten aus historischen Werken und natürlich einer Fülle von Aussagen zur Massenvernichtung der Juden. Also genau das, was Leugnern die Laune verdirbt. Man konnte förmlich sehen, wie sie die Augen verdreht haben: Meine Güte, nicht schon wieder so ein drastisches Zitat von Himmler.

Eine Entsprechung zum Blocken („Killfile“) gab es zwar im Usenet, aber das Plonk! hätte nur sein eigenes Leseerlebnis betroffen und wäre keine Einschränkung meiner Freiheit gewesen, ihm weiter zu antworten. Die Leugner, denen er eigentlich klammheimlich helfen wollte, hätten weiterhin meine Antworten auf seine Postings gelesen.

So wäre für den Troll eine sehr unangenehme Situation entstanden: Als Threadersteller hätte er sozusagen von oben zugeschaut, wie seine Freunde erbost auf meine Artikel reagiert hätten, die er aber nicht mehr sehen wollte. Natürlich hat er mich nicht geplonkt. Er hat schnell begriffen, dass er es sich nicht erlauben konnte, meine Antworten nicht zu lesen.

Wenn man gute Nerven hat

Wenn man auf diese Weise zurücktrollen will, braucht man gute Nerven, und das ist nicht jedermanns Sache. Wie eingangs schon gesagt, der Bauch gibt Bescheid, wenn es zu viel wird, und darauf sollte man hören.

Ich muss aber zugeben, dass ich damals phasenweise sehr vergnügungssüchtig war. Wie oft mir die Trolle geholfen haben, ordentliche Texte zu schreiben, sieht man auf h-ref.de.

Noch mal, vielen Dank für das Material!

Weiterführend

Kleiner Fünf / Radikale Höflichkeit / Tadel verpflichtet

Die Initiative bietet viele Informationen und Ansätze, die zeigen, wie man in Gesprächen mit Extremisten und Glaubenskriegern den Kopf über Wasser hält. Aus der Selbstbeschreibung: Kleiner Fünf – Wir machen auf die antidemokratischen Tendenzen rechtspopulistischer Parteien aufmerksam und geben konkrete Tipps zum persönlichen Umgang mit Rechtspopulismus.

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Gesprächstipps und Argumentationsleitfäden