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Vermischtes und Aufgemischtes

Ulrich Siegmund (AfD) Hauptsache Flagge zeigen

Der AfD-Landespolitiker Ulrich Siegmund (AfD-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt 2026) veröffentlichte auf X ein Video, in dem er ankündigte, für jede Regenbogenflagge, die von der derzeitigen Landesregierung gehisst werde, seinerseits zehn Deutschlandflaggen zu hissen.

Zwei Video-Standbilder: Ulrich Siegmund trägt ein weißes Hemd und spricht in ein Mikrofon, die Hände hat er vor sich auf dem Tisch voreinander gelegt. Vor dem Oberkörper eingeblendet links eine Regenbogenflagge, rechts zehn überlappende Deutschlandflaggen. Video-Transkription unten.

Problemlösung mit vielen Flaggen

Transkription des Postings und des Videos

Posting: Kein Witz: Anstatt dass die wirklichen Probleme im Land angepackt werden, bekommt Sachsen-Anhalt jetzt das „1. Landesprogramm Queer“ – 24 Maßnahmenpakete, steuerfinanziert. Die CDU setzt halt Prioritäten. Für jede steuerfinanzierte Regenbogenflagge werden wir 10 [Deutschlandflaggen] hissen!

Video: Diese Landesregierung hat […] noch mal ganz besondere Schwerpunkte gesetzt und das erste Landesprogramm für die Förderung der queeren Community in Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht. […] Ich fass es nicht mehr, haben wir keine anderen Probleme in diesem Land? Die wirklichen Sorgen und Nöte in diesem Land, die müssen doch in den Mittelpunkt gerückt werden. […] Das wollen wir nicht, und deswegen werden wir ab September für jede Regenbogenflagge, die diese Landesregierung hisst, mindestens zehn Deutschlandflaggen hissen. Das ist der richtige Weg, gerade im Stolzmonat. Wir haben andere Probleme im Land als die Förderung der queeren Community.

Das ist ein interessanter Gedanke: Ulrich Siegmund möchte offenbar die Probleme des Landes anpacken, indem er noch mehr Flaggen anpackt. Nur eben in einer anderen Farbe.

In einer direkten Antwort auf ein fragwürdiges Posting des rechtslastigen Influencers Tim Kellner kam Siegmund ebenfalls sofort wieder auf Regenbogenflaggen zu sprechen.

Postings von Tim Kellner und Ulrich Siegmund (AfD), Transkription unten.

Austausch unter Gleichgesinnten

Transkription der Postings

Posting von Tim Kellner zu einer Grafik mit einer Aussage des CDU-Politikers Detlef Gürth:

Tim Kellner @TimKoffiziell Jun 21, 2024

BRAVO!!!!! BRAVO!!!!! BRAVO!!!!!
Und das aus dem Mund eines CDU-Politikers!
Hätte ich nie gedacht!!!!
BRAVO!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

[Zitierter Text auf der Abbildung:]

Debatte um Äußerungen von CDU-Politiker Gürth "Wir füttern sie durch und dann ermorden sie unschuldige Menschen. Dieses Pack muss raus aus Deutschland."

[Ulrich Siegmunds Antwort:]

Ulrich Siegmund @UlrichSiegmund 8:58 PM · Jun 21, 2024

Sowas ist aber Teil des Problems. Dieser Mann trägt seit 10 Jahren die Politik mit, über die er sich jetzt beschwert und wirft den Menschen jetzt wieder konservativen Sand in die Augen. Demnächst beschließt er dann wie immer einen Regenbogen-Multikulti-Haushalt mit.

Gürth wurde aufgrund dieser Äußerung wegen Volksverhetzung angeklagt; im Juni 2026 war das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Siegmund ist Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt. Er möchte Ministerpräsident werden und seine Ideen in praktische Politik umsetzen. Was mag geschehen, wenn die Haltung, die Siegmund hier zeigt, für die Bürger des Landes im Alltag sichtbar wird?

Auf „Multikulti“ hat die AfD bereits eine sehr klare und drastische Antwort gegeben: die sogenannte „Remigration“. Das ist mit der Regenbogen-Community nicht möglich, denn deren Angehörige sind und bleiben Deutsche und können nicht ausgewiesen werden.

Siegmund sagt nicht, welche Behandlung er sich für diese Menschen wünscht, aber die Nennung dieser Gruppe in einem Atemzug mit „Remigration“ lässt nichts Gutes ahnen.

Ein anderer AfD-Politiker, ebenfalls in Sachsen-Anhalt, war 2016 weniger zimperlich. In einer Diskussion im Landtag kam der Hinweis, Homosexuelle seien in Maghreb-Staaten von Gefängnis bedroht. Daraufhin rief der AfD-Abgeordnete Andreas Gehlmann laut Sitzungsprotokoll dazwischen: „Das sollten wir in Deutschland auch machen!“

Eine glaubwürdige Versicherung von Siegmund, dass er solche menschenverachtenden Ideen nicht teilt, und dass die LGBTQ-Community in seinem Bundesland sicher leben kann, wäre für die Betroffenen sehr beruhigend gewesen. Ich habe keine solche Zusicherung gefunden.

Vereinnahmung

Ein ungenannter Teilnehmer reagierte auf Siegmunds angedachten Flaggenwechsel mit religiösen Ideen und bewegte sich recht genau auf der Linie, die christliche Fundamentalisten (und Antisemiten) wie Johannes Rothkranz vertreten [vgl. Johannes Rothkranz: 666 – Die Zahl des Tiers].

Screenshots von X-Postings, Transkription unten.

Und am Ende sind es dann doch die Juden

Transkription

Die Regenbogenfahne mit ihren 6 Farben, ist ein Konstrukt eines linksextremen Künstlers aus den USA, der schwulen und Lesben Szene – hat nichts mit Gottes Regenbogen (7 Farben) zu tun. Die Zahl 6 steht für das Böse- Epstein lässt grüßen.

Der Regenbogen ist lt. Bibel ein Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen, sein Versprechen, die Erde nie wieder durch eine Sintflut zu vernichten Während der Regenbogen sieben oder mehr Farbabstufungen zeigt, besteht die Pride-Flagge aus sechs Farben ...

Die Zahl 7 steht in der Bibel für Vollkommenheit und Gottes Ordnung. Die Zahl 6 für menschliche Unvollkommenheit. Die Zahl 666 wird in der Offenbarung sogar als „Zahl des Tieres“ genannt (Offb 13,18) und mit Rebellion gegen Gott in Verbindung gebracht.

Christliche Fundamentalisten bringen die Zahl des Tiers 666 (vgl. Offenbarung 13:18)mit dem Antichristen, mit dem Bösen und mit Satan in Verbindung, und im Johannes-Evangelium 8:44 liest man, Juden seien die Kinder des Teufels; Rothkranz benutzt auch die Wendung „Satanssynagoge“. Heute noch behaupten manche Christen, die Juden hätten ihren Jesus umgebracht. Der AfD-nahe Teilnehmer erwähnte Juden zwar nicht ausdrücklich, nannte aber Brian Epstein, der Jude war, und stellte so implizit die Verknüpfung Regenbogenfahne – Satanismus – Judentum – Missbrauch von Minderjährigen her.

Auch die AfD-Politikerin Vanessa Behrendt, die sich selbst als gläubige Christin darstellt, brachte LGBTQ+ und die Regenbogenfahne mit Pädophilie in Verbindung [vgl. Meldung des NDR: AfD-Abgeordnete Behrendt wegen Volksverhetzung angeklagt].

Ein X-Posting der Politiker mit Regenbogen- und Deutschlandflagge und dem Text, dass sie Ersteres ablehnt und Letzteres will. Transkript unten.

Auch Vanessa Behrendt (AfD) hat etwas gegen LGBTQ+

Transkription des X-Postings

Vanessa Behrendt MdL

@MdlBehrendt

Die Regenbogenfahne steht für: Machenschaften pädophiler Lobbygruppen, die Gefährdung von Kindern durch LGBTQ-Propaganda, das Bedrängen von Kleinkindern mit Transsexualität, das legale „Kuscheln“ und „Rangeln“ fremder Männer mit Kindergartenkindern („Original Play“) und die Behandlung von Geschlechtsidentitätsstörungen mit Pubertätsblockern, Hormontherapien und Transgender-OPs. Wenn wir unsere Kinder schützen wollen, dann gibt es nur eine Partei, die das Thema wirklich an der Wurzel packt: die #AfD!

Weder Vanessa Behrendt noch der anonyme Teilnehmer erwähnen Juden explizit. Wer sich aber wie die beiden als gläubiger Christ auf die Bibel beruft, sollte diese toxischen Assoziationen kennen und es tunlichst vermeiden, Beifall von der falschen Seite zu bekommen – allein schon aus moralischer Christenpflicht, wie man so sagt. Hilfreich wäre etwa der Hinweis, dass Juden ausdrücklich nicht gemeint seien.

Nebenbei bemerkt: Die Tatsache, dass die weitaus meisten Missbrauchsfälle im Umfeld des sogenannten bürgerlichen Familienlebens stattfinden, unterbleiben in solchen Zusammenhängen regelmäßig. Dies erweckt den Verdacht, dass es gar nicht primär um Schutz von Kindern, sondern vor allem um die Agitation gegen unerwünschte Lebensmodelle geht.

Sie können ja nichts dafür. Oder?

Stellen wir uns vor, wie jemand reagieren würde, der gegen Antisemiten und Holocaustleugner argumentiert, und von einem Stalinisten vereinnahmt wird: „Genosse, wir stehen auf der gleichen Seite!“ Ich hoffe sehr, die Reaktion fällt sehr klar aus: Du missverstehst mich, Stalin war ein Verbrecher, und ich bin natürlich nicht auf deiner Seite, Genosse. So würde jedenfalls ich persönlich reagieren, weil es mir wichtig ist, richtig verstanden zu werden.

Wie würden Politiker einer bürgerlich-konservativen Partei reagieren, wenn sie auf die oben beschriebene Weise von Antisemiten und Fundamentalisten umarmt werden? Zweifellos ablehnend. Es ist im ureigstensten Interesse einer konservativ-demokratischen Partei, solche Annäherungsversuche entschieden zurückzuweisen.

Meine Suche blieb ergebnislos. Wenn man Ulrich Siegmunds Verhalten auf X betrachtet, drängt sich der Eindruck auf, dass er unappetitliche Umarmungen nicht nur widerspruchslos hinnimmt, sondern – wie bei Kellner – sogar von sich aus anbietet.

Nein, die AfD kann natürlich nichts dafür, wenn irgendjemand seltsame Dinge schreibt. Die Frage, ob und wie sie auf solche Umarmungen von Extremisten reagiert, liegt allerdings in ihrer Verantwortung. Damit dokumentiert die Partei, wie sie sich selbst sieht, und wie sie gesehen werden will.