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Vermischtes und Aufgemischtes

Martin Sellner Schuldkult, Psychoterror, Bevölkerungsaustausch

Im Mai 2026 postete Martin Sellner, prägende Figur der rechtsextremen Identitären Bewegung, den folgenden Text und dazu ein Bild, in dem es um einen angeblich existierenden „Schuldkult“ ging.

Zitat weiß auf Rot: „Ohne Überwindung des Schuldkults gibt es keine Überwindung des Bevölkerungsaustauschs und keine Politik der Remigration - Martin Sellner“. Darüber eine Schwarzweiß-Zeichnung von Sellners Oberkörper.

Martin Sellner: Danke für den Schuldkult

Transkription des Postings

Danke für das Zitat, CDU.
Steht zu 100% dahinter.
Der Psychoterror gegen Deutsche ist ebenso ein Verbrechen wie die Ersetzungsmigration.

Der aktuelle Bezug war möglicherweise eine Broschüre der CDU mit dem Titel AfD – Abstieg für Deutschland, die eine scharfe Absage an die AfD war. Der von Sellner gepostete Ausschnitt mit dem Zitat ist dort auf S. 17 zu finden.

Sellners „Schuldkult“-Zitat erscheint auch in der Einstufung des Landesverbandes Brandenburg der Partei „Alternative für Deutschland“ als gesichert extremistische Bestrebung auf Seite 136.

Ersetzungsmigration? Psychoterror gegen Deutsche? Geht's nicht auch mal eine Nummer kleiner? Wenn sich ein mittelgroßer Österreicher zum Wohle der Deutschen echauffiert, sollten wir vorsichtig sein und genau hinhören. Wir haben da unsere Erfahrungen.

Wie auch immer, Tatsache ist: Es gibt keinen Schuldkult. Junge Menschen sehen das heute sehr differenziert. Sabine Menkens kam in einem Beitrag für die WELT zu einem ähnlichen Ergebnis [vgl. Von AfD-Politikern behaupteter „Schuldkult“ nicht belegbar].

Ein anderer Teilnehmer, der ID nach eine Art rustikaler Volksheld, meinte jedoch:

Und das die BRD ein vom Schuldkult völlig paralysierter Staat ist, kann eigentlich wirklich nur jemand abstreiten, der selbst davon betroffen ist und sich über Jahrzehnte hat psychisch misshandeln lassen.

Der Held

Spannender Gedanke: Die Tatsache, dass sich kaum jemand von irgendeinem Schuldkult betroffen fühlt, beweist seiner Ansicht nach, dass es ihn gibt. Wahrscheinlich kennt die Kommunikationswissenschaft ein Wort für solche Denkprozesse.

Ich muss nur ihre Beschreibung in der Bio lesen und weiß bescheid. […] Sie sind also ein sogenannter Schuldkultleugner

Der Held

Das sollte vermutlich eine Art Retourkutsche in Bezug auf die Holocaustleugner sein. Vielleicht mag er es nicht, wenn man diesen Leuten widerspricht.

Als Nächstes zog er einen Aufsatz von Ulrich Schmidt-Denter heran, der gewisse didaktische oder methodische Mängel in der „Holocaust-Education“ thematisiert. Diese Mängel gibt es, aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass ein Kult existiert. Schmidt-Denters Arbeit gibt dies nicht her.

Nachdem das alles nicht so recht funktioniert hatte, präsentierte er einen Link zu einem Video von Martin Sellner auf Telegram. Das wäre vielleicht interessant gewesen, aber das Video war aus unerfindlichen Gründen nicht abspielbar. Direkt darunter stand wieder der Link zum unergiebigen Artikel von Schmidt-Denter. Also lief es wohl auf dies hinaus: Der Beweis für die Existenz eines Schuldkults war die Tatsache, dass Sellner es gesagt hatte.

Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass es eine Art von Anbetung oder Verehrung oder eine quasi-religiöse Ebene geben müsste, wenn man von einem Kult sprechen will. All dies verhallte ungehört, stattdessen kam eine überraschende Antwort.

Natürlich hat sich Sellner das Wort ausgedacht. Niemand hat was anderes behauptet. Und so wie er das erklärt finde ich den Begriff absolut passend. Du darfst das ja gerne anders sehen.

Der Held

Das ist erstaunlich. Der Begriff oder sehr ähnliche Abwandlungen wie Kult mit der Schuld (Buchtitel von Heinz Nawratil) kursieren bereits seit den 1980er Jahren in der Neonazi-Szene. 2005 war der Begriff im NPD-Umfeld nachweisbar. Sellner wurde 1989 geboren; sein Erfindergeist müsste demnach in sehr jungen Jahren oder sogar schon vor seiner Geburt Spuren hinterlassen haben.

Schließlich wurde der Volksheld persönlich und schrieb:

Lieber Jürgen von mir aus kannst du dich in deiner eigenen Schuld wälzen bis dir rosa Einhörner aus dem Arsch fliegen. Aber ich und viele andere machen euren Schuldkult eben nicht mehr mit. Und wie gesagt mit deiner schwachen Generation wird das endlich beendet werden.

Der Held

Feine Aussichten, und womöglich sogar eine verdeckte Drohung. Die nächste Frage war, wie man den Schuldkult, den es ja gar nicht gibt, denn sonst nennen sollte. „Hirngespinste“ ist ein durchaus passendes Wort. Das war zu viel:

Bist du Jude?

Der Held

Dies liegt ziemlich genau auf der Linie des Holocaustleugners Germar Rudolf, der anscheinend der Ansicht ist, man könne jüdischen Historikern schon deshalb nicht trauen, weil sie Juden seien.

Da sich dies in Martin Sellners eigenem Thread abspielte, muss er es gesehen haben; zu diesem Zeitpunkt war dort nicht mehr viel Betrieb. Ein klärender Hinweis, dass er die Unterstützung von Antisemiten prinzipiell ablehne, wäre hilfreich gewesen. Der kam leider nicht. Wahrscheinlich hatte er gerade Wichtigeres zu erfinden.