miscelle
Vermischtes und Aufgemischtes

Männer birnen
und Frauen bornen

„Normarz“ im Usenet

Sauber hingebirnt

Auch dieser Text ist sehr alt. Die Geschmeidigkeit, mit der sich die Realität den Vorurteilen anzupassen hat, ist allerdings zeitlos. Zum besseren Verständnis sei noch gesagt, dass „Normarz“ (Name verfremdet) den Begriff „Leviten“ als Platzhalter für Juden benutzt hat, um im Usenet ungestört Antisemitismus zu verbreiten. Wie andere christliche Fundamentalisten war er der Ansicht, er selbst verkörperte den wahren Stamm Juda, während das heutige Judentum ein böser satanistisch-levitischer Geheimbund sei, also gewissermaßen ein Ausgebirn der Hölle. Ja, es ist etwas wirr, aber das ist nicht mein Fallobst.


Ein Schwarzweiß-Porträtfoto des Musikers

Paul McCartney

Es war ja zu erwarten, dass Normarz sich eines Tages am britischen Adel vergreift. Das war auch zu schön: Da schreibt doch Paul McCartney ein Lied mit dem Titel Hey Jude, und damit muss er einfach Juden gemeint haben, meinte Normarz. Die Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen.

Ritter Paul McCartney, von der Queen of England zum Ritter ernannt, hat den echten Juden, dem Stamm Juda, fruehzeitig eine sehr schoene Hymne geschrieben. Ich nehme an, dass in dieser Zeit der ganze Stamm aus seinem Dornroeschenschlaf geweckt wird. Damit wird das Lied nun fuer viele brandaktuell:

Hey Jude, don't make it bad
Take a sad song and make it better
Remember to let HER into your heart
Then you can start to make it better

Einige Leute haben Normarz darauf hingewiesen, dass mit „Jude“ John Lennons Sohn Julian gemeint gewesen sei. McCartney habe den Namen nur verändert, weil „Jude“ besser ins Versmaß gepasst habe. Diese Leute haben aber die Rechnung ohne den Birnbaum gemacht.

Ich *weiss*, dass McCartney faehig gewesen waere, das Lied „Hey Jules“ zu nennen, wenn er es dem Sohn von Lennon gewidmet haette, obwohl er Lennon nicht mochte und umgekehrt.
[…] Es ging um die witzig-abstruse Theorie, dass McCartney mit „Jude“ das Lennon-Baby gemeint habe. Dieses war noch nicht soweit, die „schwere Last der Welt“ fuehlen zu koennen. Und es hiess eben auch nicht so, reine Ablenkungstheorie.

Inzwischen gibt es eine autorisierte Biographie, in der Paul McCartney zu diesem Punkt Stellung nimmt. Das hört sich in Paul McCartneys eigenen Worten folgendermaßen an:

PAUL: Die Idee zu Hey Jude kam mir unterwegs im Auto, als ich zu Cynthia und Julian Lennon fuhr – das war kurz nach der Scheidung von John. Wir waren seit wer weiß wie lange befreundet, und ich dachte, es müsse verdammt hart sein, wenn man praktisch über Nacht zu personae non gratae wird und einfach so aus dem Leben der anderen verschwindet.
[…]
Ich war daran gewöhnt, während der Fahrt nach Kenwood zu komponieren, denn normalerweise fuhr ich ja dorthin, um gemeinsam mit John an irgendwelchen Songs zu arbeiten. Ich begann mit den Worten „Hey Jules“ – damit war Julian gemeint – „don't make it bad, take a sad song and make it better“. Ich wollte damit sagen: „Hey Julian, laß dir diese schreckliche Geschichte nicht zu sehr zu Herzen gehen.“
[…]
Als ich bei Cynthia und Julian eintraf, war der Song in groben Zügen fertig. Ich änderte den Namen in „Jude“, denn ich fand, das klang irgendwie besser.

Barry Miles
Paul McCartney, Many Years From Now, rororo 60892, S. 578f

Wie hat Normarz noch gesagt? Eine „reine Ablenkungstheorie“ sei das gewesen? Er wird sich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Sir Paul McLevy einer unserer Mitarbeiter ist.

Dumm gelaufen.

Aber das hat ihn nicht gestört. Er trollte weiter über die Streuobstwiese der Erkenntnis, denn es gab ja genug andere Berühmtheiten, bei denen er sich dieses und jenes zusammenbirnen konnte.